Paul Martone sagt: «Es ist falsch, bei den Piusbrüdern in die Messe zu gehen»

Die Piusbrüder wollen eigene Bischöfe weihen. Ohne den Segen aus Rom. Das Bistum Sitten bedauert die Absicht der Piusbrüder. Domherr und Priester Paul Martone ordnet ein. Ein Gespräch.

Paul Martone, Sie sind Priester, Domherr von Sitten und Mediensprecher des Bistums Sitten. Die «Priesterbruderschaft St. Pius X.», umgangssprachlich Piusbrüder genannt, hat im Unterwallis in Ecône ihr theologisches Zentrum, wo sie ihre Priester ausbildet. Nun hat sie angekündigt, im Sommer Bischöfe zu weihen. Was sagt das Bistum Sitten zu diesen Absichten?

Das Bistum Sitten, vor allem der Bischof, bedauert den Entscheid der Piusbruderschaft, neue Bischöfe zu weihen. Es vertieft die Gräben und die Spaltungen, die durch die Bischofsweihen 1988 schon entstanden sind. Die Einheit in der Kirche war immer ein grosses Anliegen von Jesus Christus. Der Entscheid der Piusbrüder ist für uns im Bistum Sitten nur schwer nachzuvollziehen.

Seit 1988 sind 38 Jahre vergangen. Hat sich in der Zwischenzeit etwas geändert?

Zwei der vier damals geweihten Bischöfe sind in der Zwischenzeit verstorben. Die Piusbrüder müssen nun schauen, wie es weitergeht. Aus ihrer Sicht geht es nur weiter, wenn sie neue Bischöfe weihen können. Ansonsten hat sich nichts geändert. Es ist nie zu einer Einigung gekommen. Man hat zwar Gespräche geführt im Vatikan. Der verstorbene Papst Franziskus hat den Piusbrüdern zum Beispiel erlaubt, damals im Jahr der Barmherzigkeit, dass sie die Beichte hören und Sakramente spenden können. Aber ansonsten ist noch alles gleich wie im Jahr 1988. Die Piusbrüder haben immer noch Zulauf, sie haben viele junge Priester, aber natürlich nicht nur in Ecône, sondern vor allem auch in Frankreich und in den USA.

Der verstorbene Papst Benedikt hatte während seines Pontifikats immer wieder versucht, die Piusbrüder zu integrieren, und ist auf sie zugegangen und hat die Exkommunikation von Bischöfen aufgehoben. Trotzdem rücken die Piusbrüder nicht von ihrem Standpunkt ab, dass sie die «richtige katholische Kirche seien» und alle anderen Katholiken sich ändern müssten.

Papst Benedikt hat alles versucht, um eine Einheit herzustellen. Man hat auch Dokumente verfasst und wollte in Rom zusammenkommen, um diese zu unterschreiben. Am Vorabend hat die Piusbruderschaft dann aber einen Rückzieher gemacht. Sie sind überzeugt – das ist auch in der Predigt bei der Beerdigung von Bischof Huonder gross zum Ausdruck gekommen: «Wir, die Piusbruderschaft, wir sind die richtige katholische Kirche. Wir sind nicht die Abgefallenen, sondern ihr anderen müsst zu uns zurückkommen.» (Anm. d. Red.: Vitus Huonder war Bischof von Chur. Seinen Lebensabend verbrachte Huonder im Institut Sancta Maria der Piusbrüder in Wangs im Kanton St. Gallen. Beerdigt wurde Huonder am 17. April 2024 in Ecône.) Mit dieser Einstellung glaube ich kaum, dass man zu einer Einigung kommen wird. Bei allem Wohlwollen, das man der Piusbruderschaft gegenüber haben kann: Die Piusbrüder müssten nun einen ersten grundsätzlichen Schritt unternehmen und die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils anerkennen. Man kann nicht zwei Kirchen in der gleichen Kirche sein.

Ab Donnerstag sind in Rom Gespräche zwischen dem Vatikan und der Piusbruderschaft angesetzt. Wird es zu einer Einigung kommen?

Ich habe grosse Zweifel, dass man sich einigen kann. Bestenfalls verspricht die Piusbruderschaft, die Bischofsweihen auszusetzen und auf später zu verschieben. Eine weitere Möglichkeit wäre die Errichtung einer Personalprälatur. Das ginge jedoch nur, wenn die Piusbruderschaft die grundlegenden Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils anerkennen würde.

Es käme also im schlimmsten Fall zu einer Aufspaltung, zu einem Schisma innerhalb der römisch-katholischen Kirche.

Es ist eine Spaltung da. Ein Schisma würde dann eintreten, wenn die Piusbrüder ganz klar die Autorität des Papstes nicht mehr anerkennen würden, wenn sie den Papst ablehnen würden. Das haben sie bis jetzt nie gemacht. Sie akzeptieren nicht alle Entscheide des Papstes. Sie akzeptieren das Zweite Vatikanische Konzil nicht, was für mich ein Widerspruch ist: «Wir respektieren den Papst als Papst, aber wir machen nicht, was er sagt, oder nur dann, wenn es uns passt.» Das ist ein wenig ein komisches Verständnis vom Papsttum.

Die Piusbrüder sind also inkonsequent. In vielen Orten, in denen die Piusbrüder nämlich präsent sind, hängt das Bild vom aktuellen Papst in der Sakristei.

Ja, aber das mit dem Auswählen, das ist nicht nur eine Krankheit der Piusbrüder, sondern ist auch in der römisch-katholischen Kirche weitverbreitet. Viele haben das Gefühl, die Kirche sei wie ein Selbstbedienungsrestaurant: Du nimmst einfach heraus, was dir passt. Und das geht nicht. Man kann nicht nur ein wenig katholisch sein, sondern man muss zu 100 Prozent katholisch sein. Und dazu gehört auch die Anerkennung und die Respektierung der Autorität des Papstes.

Gibt es zwischen der Leitung des Bistums Sitten und der Piusbruderschaft einen Austausch? In Ecône auf dem Gebiet der Gemeinde Riddes im Unterwallis bilden die Piusbrüder ihre Priester aus. Das Priesterseminar liegt also auf dem Territorium des Bistums Sitten.

Ja, aber das ist auch das Einzige, was wir gemeinsam haben. Das Bistum Sitten mischt sich nicht in die Fragen von Ecône ein, das würde auch die Autorität des Bischofs von Sitten übersteigen. Das müsste man direkt mit Rom aushandeln. Was wir im Bistum Sitten aber machen: Einmal im Monat wird in Saint-Pierre-de-Clages im Unterwallis eine Messe im tridentinischen Ritus abgehalten. Mit dem Segen des Bischofs von Sitten. Dieses Angebot bietet das Bistum Sitten an, damit auch jene Menschen, welche die Messe in lateinischer Sprache bevorzugen, die Möglichkeit haben, an einer solchen Messe teilzunehmen. Das alles geschieht in der Einheit mit der römisch-katholischen Kirche. Was ich dabei noch betonen möchte: Bei den Piusbrüdern in Ecône geht es nicht nur um die Messe in lateinischer Sprache. Wenn es nur darum ginge, hätten wir schon längst eine Einigung finden können.

Den Messen im tridentinischen Ritus im Unterwallis stehen Sie als Zelebrant vor. Solche Messen feierten Sie früher auch in der Briger Kollegiumskirche. Wird es ein solches Angebot im Oberwallis auch in Zukunft wieder geben?

Eine entsprechende Anfrage aus dem Oberwallis ist bei der Bistumsleitung eingetroffen. Bischof Jean-Marie Lovey hat zugestimmt, dass ich als Priester solchen Messen vorstehen darf. Wir müssen jetzt einfach noch schauen, wo wir diese Messen feiern wollen. Es braucht dafür eine entsprechende Kapelle und Messdiener. Abklärungen laufen noch.

Auch im Oberwallis gibt es praktizierende Katholiken, welche die Messfeiern der Piusbrüder besuchen. Sie sind Domherr von Sitten und Priester des Bistums Sitten. Was sagen Sie: Ist es falsch, als Katholik die Messe bei den Piusbrüdern zu besuchen?

Ja, es ist falsch, zu den Piusbrüdern in die Messe zu gehen. Das ist ganz klar. Das ist eine Gruppe, die sich abgespalten hat von der römisch-katholischen Kirche. Sie hat sich abgespalten, nicht wir haben sie ausgeschlossen. Man kann schon gehen, wenn man will, das ist Glaubensfreiheit, welche die römisch-katholische Kirche respektiert. Im Gegensatz zu den Piusbrüdern. Aber es ist nicht richtig. Ein Katholik soll in einer römisch-katholischen Pfarrei zur Messe gehen.

Walliser Bote / 12.02.2026 / Michel Venetz

Ein Katholik sollte nicht an den Messfeiern der Piusbrüder teilnehmen, sagt Paul Martone, Priester und Domherr im Bistum Sitten. Quelle: pomona.media / Alain Amherd

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