+ Kardinal Emil Paul Tscherrig - 1947-2026
Er wurde am 3. Februar 1947 in Unterems als Sohn des Walter und Lina Bregy geboren und besuchte daselbst die Primarschule. 1960 trat er ins Kollegium von Brig über, wo er 1968 die Matura bestand. Anschliessend begann er in Sitten das Theologiestudium und beendete dieses 1973 an der Universität Freiburg i.Ue. mit dem Lizentiat. Am 11. April 1974 wurde er in Sitten zum Priester geweiht. Von 1974-1978 war Emil Tscherrig an der Päpstlichen Kirchenakademie, der „Diplomatenschule“ des Vatikans in Rom und studierte gleichzeitig Kirchenrecht an der Päpstlichen Hochschule Gregoriana, ein Studium, das er mit dem Doktorat abschloss. In seiner These beschäftigte er sich mit dem Wesen des Ökumenischen Konzils und analysierte die Entwicklung dieses Begriffs von Trient bis zum Codex Iuris Canonici. In den folgenden Jahren war er an den Päpstlichen Botschaften (Nuntiatur) in Uganda, Korea und Bangladesch tätig. Ab 1985 arbeitete er im vatikanischen Staatssekretariat und stand dem päpstlichen Reisemarschall Roberto Tucci (er wurde 2001 zum Kardinal ernannt) bei der Organisation der Auslandreisen von Papst Johannes Paul II. als Assistent zur Seite. Am 4. Mai 1996 wurde Msgr. Tscherrig von Papst Johannes Paul II. zum Apostolischen Nuntius (päpstlicher Botschafter) im zentralafrikanischen Burundi und gleichzeitig zum Titular-Erzbischof von Voli ernannt. Am 27. Juni 1996 empfing er in Rom durch Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano die Bischofsweihe. In Burundi blieb Erzbischof Tscherrig bis zum Jahr 2000. Dann wurde er Nuntius auf den Antillen, 2004 in Korea und der Mongolei, 2008 Nuntius für Dänemark, Finnland, Schweden, Island und Norwegen, 2012 päpstlicher Botschafter in Argentinien als Jorge Mario Bergoglio, der spätere Papst Franziskus, Erzbischof in Buenos Aires war. Deshalb hatten sich die beiden zu dieser Zeit oft getroffen. Die beiden sprachen viel über Probleme, soziale Fragen wie Armut. Öfters ging es aber auch um die Arbeit in der Kirche. Im Jahr 2017 übertrug Papst Franziskus Tscherrig als erstem Nicht-Italiener das Amt des Apostolischen Nuntius für Italien und San Marino
Am 30. September 2023 wurde er von Papst Franziskus zum Kardinal ernannt. Seit Oktober 2024 gehörte er zur sechsköpfigen Spitze der Vatikanbank IOR. Er war auch Mitglied der Apostolischen Signatur, dem höchsten vatikanischen Gericht. Ausserdem gehörte er dem Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, dem Dikasterium für die Bischöfe sowie der Sektion für die Erstevangelisierung und die neuen Teilkirchen im Dikasterium für die Evangelisierung an. 2025 nahm er am Konklave Teil, das Papst Leo XIV. wählte. Was die Situation der Kirche in Europa betrifft, so sah Kardinal Tscherrig diese in Zukunft als eine Minderheit, jedoch mit einem grossen Potential als „kreative Minorität“. Er wünschte sich eine Kirche, die offen ist. Er war überzeugt, dass wir versuchen müssen, alte Traditionen, alte Gewohnheiten, aber auch Strukturen, die für uns heute zu einem Gewicht geworden sind, hinter uns zu lassen. „Die Kirche wird bleiben, wird hier sein. Es wird immer Christen geben, immer Katholiken geben. Aber es wird nicht mehr die grosse Masse sein.“ Was das Zusammengehen von Priestern und Laien betrifft, plädierte er für eine Komplementarität dieser beiden Berufungen. Nun in der Zusammenarbeit beider Berufungen «sind wir Kirche, wie uns das Zweite Vatikanische Konzil gelehrt hat». Falsch sei sicher die Versuchung, geweihte Priester durch eine Art Laienpriestertum zu ersetzen, was oft Spannungen schaffe.
Paul Martone