Gottes Grossbaustelle – ohne Arbeitende?
Sind Sie sich bewusst, dass Sie als Christinnen und Christen täglich auf einer Baustelle stehen? Diese Grossbaustelle ist kein physischer Ort aus Beton und Stahl, sondern sie trägt einen grossen, visionären Namen: ‘Reich Gottes’. Es ist und bleibt der zentrale Auftrag Jesu, dass dieses Reich durch unser konkretes Mittun im Hier und Jetzt Gestalt annehmen soll. Glaube ist nach diesem Verständnis kein fertiges Gebäude, das man nur noch bewundert, sondern ein dynamisches, generationenübergreifendes Bauprojekt. Jesus gibt uns dazu nicht nur den Auftrag, sondern auch die passenden Werkzeuge an die Hand und mitten ins Herz.
Das Fundament im Klassenzimmer
Diese Werkzeuge dürfen die Erstkommunionkinder im kommenden Schuljahr auf spielerische und tiefgründige Weise entdecken. Daher lautet das inspirierende Erstkommunionthema für das Jahr 2026/27: «Wir bauen mit Jesus ein Stück Himmel auf Erden». Das didaktische Material dazu hat das Fachzentrum Bildung ausgearbeitet und hat es allen interessierten Pfarreien und Seelsorgeregionen zur Verfügung gestellt. Eines wird bei diesem Vorhaben jedoch schnell klar: Ein so immenses und bedeutendes Bauwerk können die Kinder unmöglich allein stemmen. Sie sind keine Einzelkämpfer auf weiter Flur; sie brauchen die verlässliche Unterstützung, den Rückhalt und die aktive Begleitung ihrer Eltern sowie der gesamten Pfarrei/Seelsorgeregion.
Der eigentliche Auftakt für dieses Abenteuer fällt im schulischen Religionsunterricht. Hier verwandelt sich das Klassenzimmer regelrecht in ein kreatives Planungsbüro, in dem die theoretischen und praktischen Fundamente für das Projekt gelegt werden. Das unbestrittene Herzstück dieser ersten Etappe ist das liebevoll gestaltete „Arbeitsheft Schule“. Wer auch nur flüchtig darin blättert, merkt sofort, dass hier ein Unterricht stattfindet, der die Kinder in ihrem konkreten Alltag abholt. Es geht nicht um das Auswendiglernen. Es ist eine Einladung zum Mitdenken, Mitfühlen und aktivem Mittun.
Als tragfähige und zeitlose Baupläne für ein rundum gelingendes Miteinander dienen dabei die alten biblischen Geschichten. Sie werden so erzählt, dass ihre ungebrochene Aktualität für die heutige Lebenswelt der Kinder spürbar wird. Mit den nötigen Werkzeugen, die die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe einer symbolischen ‚himmlischen Werkzeugkiste‘ kennenlernen, kann jede und jeder Einzelne das Reich Gottes im Kleinen mitgestalten. Die Kinder zeichnen, reflektieren und diskutieren lebhaft darüber, wie Gerechtigkeit, solidarisches Teilen und bedingungslose Nächstenliebe zu handfesten Bausteinen werden. Es sind genau diese Werte, aus denen im Alltag schrittweise jener verheissene „Himmel auf Erden“ entsteht.
Die Elternabende: Dialog auf Augenhöhe
Eine erfolgreiche Grossbaustelle funktioniert jedoch niemals ohne Fachpersonen – und in diesem speziellen Fall kommt diese Schlüsselrolle den Eltern zu. Die religiöse Erziehung ist schliesslich ein Gemeinschaftswerk. Die Vorbereitung baut deshalb auf drei thematischen Elternabenden auf, welche die in der Schule behandelten Themen bewusst in die Lebenswelt der Erwachsenen hineinholen. Diese Abende gehen über rein organisatorische Absprachen oder terminliche Fragen hinaus.
Die Atmosphäre an diesen Treffen ist geprägt von grosser Offenheit und dem Mut, auch den eigenen, oft verschütteten Fragen des Glaubens ganz neu zu begegnen. Es entsteht ein Raum für echten Dialog, in dem Väter und Mütter miteinander ins Gespräch kommen, Zweifel teilen und sich gegenseitig stärken können. So wird die Vorbereitung auf die Erstkommunion zu einer Chance für die ganze Familie, den eigenen Glauben neu zu entdecken.
Das Begleitheft Daheim: Den Glauben ins Gespräch bringen
Damit die auf den Elternabenden und im Unterricht gesammelten Impulse nachhaltig Frucht tragen und nicht im Trubel des Alltags verpuffen, erhalten die Eltern das „Begleitheft Daheim“. Dieses Heft schliesst die Lücke zwischen Kirche, Schule und Familie. Es dient als praktischer, kreativer Leitfaden, um die Bausteine des Glaubens ganz ungezwungen und spielerisch in den Familienalltag zu integrieren. Ob am Esstisch, vor dem Schlafengehen oder beim gemeinsamen Wochenendausflug: Das Heft bietet konkrete Anregungen, um das gemeinsame Bauprojekt zu Hause fortzuführen. So wird die Grossbaustelle Gottes lebendig – Stein für Stein, Tag für Tag, durch das Mittun von Gross und Klein.
Der Stationenweg: Glauben mit allen Sinnen erleben
Kurz vor der Erstkommunion gibt es eine Baustellenbegehung der Eltern mit ihrem Erstkommunionkind. Das Bild der Baustelle wird unter freiem Himmel greifbar. Mit den Werkzeugen aus der himmlischen Werkzeugkiste bauen die Familien an diesem Stück Himmel auf Erden, um andere teilhaben zu lassen. An sieben verschiedenen Stationen setzen sich die Familien mit Texten, Fragen und ganz praktischen, kreativen Aufgaben auseinander.
Ein Fest, das Kreise zieht
Jedes Bauwerk erfordert einen aufmerksamen Blick, um zu erkennen, wo Pflege und Instandhaltung nötig sind. Das gilt erst recht für das grosse Gemeinschaftswerk, an dem die Kinder zusammen mit ihren Eltern, Grosseltern, Paten und der gesamten Pfarrei während des ganzen Jahres gebaut haben. Schliesslich geht es hierbei um das wertvollste Fundament: das ‘Reich Gottes’ und unser menschliches Miteinander.
In diesem Sinne ist das Fest der Erstkommunion ein wichtiger Zwischenhalt auf dem gemeinsamen Weg. Es bietet die Gelegenheit, das Erreichte gebührend zu feiern und gleichzeitig mit frischem Elan neue Pläne für die Zukunft zu schmieden.
Auf diese Weise wird Kirche wieder zu einem lebendigen, greifbaren Erlebnis mitten im Alltag – und Menschen jeden Alters finden hier ein tragfähiges Fundament für ihren persönlichen Glauben.
Fachzentrum Bildung des Bistums Sitten Oberwallis
Madeleine Kronig und Daniela Schwery