40% der Katholiken in der Schweiz haben Migrationshintergrund - Zum Tag der Migrantinnen und Migranten
Migration und Klimawandel
Der Tag der Migrantinnen und Migranten am 27. September ist die Schweizer Variante des von der katholischen Kirche weltweit begangenen Welttags des Migranten und Flüchtlings. Er lädt dazu ein, die Lebensrealitäten von Migrantinnen und Migranten sowie von Menschen auf der Flucht wahrzunehmen, ihre Würde zu achten und Begegnung, Solidarität und Teilhabe zu fördern.
In den letzten Jahren wurden Migration und Flucht zunehmend im Kontext des Klimawandels thematisiert. Der Klimawandel wird mit unterschiedlichen Formen der menschlichen Mobilität in Zusammenhang gebracht, wie z. B. Arbeitsmigration, Evakuierung, Umsiedlung, Vertreibung, zirkuläre Migration, dauerhafte oder kurzfristige Migration. Migration im Kontext des Klimawandels kann aber auch als Mittel zur erfolgreichen Anpassung an eine sich verändernden Umwelt, also Migration als Adaption, verstanden werden. Darüber hinaus kann der Klimawandel nicht nur Mobilität fördern, sondern diese auch verhindern.
Viele Minderjährige
Jedes Jahr steht der Tag unter einem vom Papst gewählten Motto. Die päpstliche Botschaft greift aktuelle Herausforderungen und Hoffnungen von Migrantinnen, Migranten, Flüchtlingen und Aufnahmegesellschaften auf. Papst Leo XIV. hat als Leitwort für dieses Jahr «Auch nur eines dieser Kinder» gewählt. Damit greift er ein Wort aus dem Matthäusevangelium auf: «Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf». In seiner Botschaft lenkt der Heilige Vater die Aufmerksamkeit auf die Situation der vielen Minderjährigen, die gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen – aufgrund von Kriegen, Armut, Gewalt, Umweltkatastrophen und anderen Tragödien. Ihre Zahl nimmt weiterhin in dramatischem Ausmass zu. Im Zusammenhang mit den Migrationsbewegungen gehören gerade Kinder und Jugendliche zu den besonders Schutzbedürftigen. Sie sind nicht nur gezwungen, ihre Heimat und ihr Zuhause zu verlassen, sondern erleben zusätzlich grosses Leid: den Verlust der Eltern oder anderer nahestehender Menschen, Gewalt, die Angst angesichts der Ferne sowie Trennungen infolge von Rückführungen. Auch junge Menschen, die gemeinsam mit ihren Eltern unterwegs sind, werden extremen und traumatischen Bedingungen ausgesetzt. Der Heilige Vater erinnert daran, dass viele Minderjährige auf den Migrationsrouten ihr Leben verlieren oder Opfer von Menschenhandel, Ausbeutung, sexueller Gewalt und anderen Gräueltaten werden.
In seiner Botschaft ruft Papst Leo alle dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Jeder soll sich vom Schicksal dieser jungen Menschen angesprochen fühlen – und sei es auch nur von einem einzigen –, dennjedes Kind, jeder Mensch besitzt eine unendliche Würde, und wir müssen dafür Sorge tragen, dass diese Würde geachtet wird. Auf persönlicher, kirchlicher und institutioneller Ebene ruft der Heilige Vater zu einem konkreten Engagement auf, um junge Migranten und Flüchtlinge aufzunehmen, zu integrieren und ihre Fähigkeiten und Begabungen zur Entfaltung zu bringen. Im Mittelpunkt müssen dabei stets der Schutz und die Würde jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen stehen.
Solidarität
Papst Leo hebt zugleich das Licht der Solidarität hervor, das bereits in vielen Gemeinschaften sichtbar wird: bei all jenen, die sich entschieden haben, nicht wegzuschauen; bei Menschen, die ihre Türen geöffnet haben; bei den zahlreichen Freiwilligen und Mitarbeitenden, die sich Tag für Tag um die unsichtbaren Wunden minderjähriger Migranten kümmern. Sie legen Zeugnis davon ab, dass die Liebe die Gleichgültigkeit überwinden kann.
Der Heilige Vater erinnert daran, dass wir alle zu einem Akt der Menschlichkeit und des Glaubens aufgerufen sind: In jedem Kind können wir den Herrn aufnehmen und ihm begegnen. Und sei es auch nur ein einziges. Es geht nicht um Zahlen oder Statistiken. Das Evangelium lädt uns ein, nicht zu rechnen und abzuwägen: Jeder Mensch ist nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen; in jedem Menschen begegnet uns der Herr.
Der Heilige Vater bringt die Hoffnung zum Ausdruck, dass unsere Gemeinschaften zu lebendigen und glaubwürdigen Zeichen des Evangeliums werden.
40% mit Migrationshintergrund
Ein Zeichen der Solidarität ist die Kollekte, die an diesem Wochenende in den Gottesdiensten eingezogen wird und die «migratio» zugutekommt. Diese Dienststelle der Schweizer Bischofskonferenz für Migrationspastoral, unterstützt Projekte im In- und Ausland für Menschen auf der Flucht – etwa durch humanitäre Hilfe, Integration und Begleitung – sowie die Seelsorge für anderssprachige Gemeinschaften in der Schweiz.
Heute haben rund 40 % der in der Schweiz lebenden Katholikinnen und Katholiken, das heisst etwa anderthalb Million Menschen, einen Migrationshintergrund. Durch ihr Engagement unterstützt «migratio» die Seelsorge in den Bundesasylzentren, begleitet die Gemeinschaften der katholischen Ostkirchen, begleitet die katholischen Missionen und Sprachgemeinschaften im Land und fördert die Seelsorge für Fahrende sowie für die Welt des Zirkus. In einem gesellschaftlichen Kontext, in dem Migration weiterhin prägend ist, leistet die Arbeit von «migratio» einen wichtigen Beitrag zur Willkommenskultur, Integration und Teilhabe von Migrantinnen und Migranten am kirchlichen und gesellschaftlichen Leben. Die katholische Kirche ist eine universale Wirklichkeit, reich an verschiedenen Riten, Traditionen, Sprachen und Kulturen, die in derselben Glaubensgemeinschaft zusammenleben. Diese Vielfalt sichtbar zu machen und wertzuschätzen bedeutet, das Wesen der Kirche selbst zu bezeugen. Die Schweizer Bischöfe danken allen für ihre Spende.
Paul Martone