Was habe ich eigentlich vom Bistum? - «Warum die Allerheiligenkollekte uns alle angeht»
Bezahle ich nicht schon genug?
Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Schweizer Kantonen gibt es im Wallis grundsätzlich keine direkte Kirchensteuer. Mit Ausnahme von drei Gemeinden erhalten die Katholiken also keine gesonderte Steuerrechnung für ihre Zugehörigkeit zur Kirche. Für die Finanzierung der örtlichen Pfarreien kommen die politischen Gemeinden auf, soweit die Pfarreien ihre Ausgaben nicht aus eigenen Mitteln decken können. Diese Regelung ist ausdrücklich in der Walliser Kantonsverfassung (Art. 2 Abs. 4) verankert. Die Kosten werden somit indirekt von allen Steuerpflichtigen mitgetragen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.
Damit sind jedoch die Aufgaben des Bistums noch nicht finanziert. Zwar leistet der Kanton Wallis jährlich einen Beitrag von 550'000 Franken an das Bistum Sitten. Das ist eine erfreuliche Unterstützung, die jedoch bei Weitem nicht ausreicht, um dessen vielfältige Aufgaben zu finanzieren. Das Bistum ist deshalb auf weitere Einnahmen und insbesondere auf freiwillige Beiträge der Gläubigen angewiesen. Dazu gehört auch die Allerheiligenkollekte.
Wozu braucht es überhaupt ein Bistum?
Wer an Kirche denkt, hat meistens zuerst die eigene Pfarrei vor Augen: den Sonntagsgottesdienst, eine Taufe, eine Hochzeit oder eine Beerdigung. Doch die Pfarreien sind keine voneinander unabhängigen Inseln. Sie bilden zusammen das Bistum, für das der Bischof Verantwortung trägt.
Diese Verantwortung erschöpft sich nicht darin, Firmungen zu spenden und Gottesdienste zu feiern. Es geht auch darum, Seelsorgende auszubilden und zu begleiten, die Zusammenarbeit zwischen Pfarreien zu fördern und die Weitergabe des Glaubens zu unterstützen. Dafür braucht es Menschen, die sich um Personalfragen, kirchliches Recht, Verwaltung und Finanzen kümmern. Andere arbeiten in der Katechese, der Jugend-, Ehe- und Familienpastoral oder in der Betreuung fremdsprachiger Gläubiger. Nicht jede Pfarrei könnte solche Dienste allein anbieten.
Viele dieser Arbeiten bleiben im Hintergrund. Man bemerkt sie oft erst, wenn sie fehlen. Die Allerheiligenkollekte hilft mit, diese gemeinsamen Aufgaben zu tragen.
Und was verdient eigentlich der Bischof?
Auch das ist eine berechtigte Frage, wenn um Geld gebeten wird. Die Antwort dürfte manche überraschen: Der Bischof von Sitten erhält denselben Lohn wie ein Dorfpfarrer, rund 5500 Franken monatlich. Seine Sozialabgaben muss er selber übernehmen.
Vor allem aber: Sein Gehalt wird nicht aus der Allerheiligenkollekte bezahlt. Dafür kommt die sogenannte bischöfliche Mensa auf, ein eigenes kirchliches Vermögen, dessen Erträge dem Unterhalt des Bischofs dienen. Wer am Sonntag spendet, finanziert also nicht den persönlichen Lohn des Bischofs, sondern die Aufgaben des Bistums.
Warum soll gerade ich etwas geben?
Vielleicht braucht jemand die Angebote des Bistums nie unmittelbar. Vielleicht hat er keine Kinder mehr im Religionsunterricht, benötigt keine kirchliche Beratung und sieht die Bistumsverwaltung nur von weitem. Warum also dafür bezahlen?
Weil die Kirche mehr ist als eine Dienstleistungsfirma, bei der jeder nur bezahlt, was er selber beansprucht. Sie ist eine Gemeinschaft, in der die Stärkeren die Schwächeren mittragen und eine Pfarrei nicht allein gelassen wird, wenn ihre Möglichkeiten an Grenzen stossen. Was ich heute nicht benötige, kann für eine andere Familie, einen jungen Menschen oder eine kleine Pfarrei entscheidend sein.
Das entbindet die Verantwortlichen freilich nicht von ihrer Pflicht, mit dem anvertrauten Geld sorgfältig umzugehen. Wer spendet, darf Transparenz erwarten. Er darf fragen, welche Aufgaben notwendig sind, wo gespart werden kann und welche Ergebnisse mit den vorhandenen Mitteln erzielt werden. Gerade weil die Kirche in den vergangenen Jahren Vertrauen verloren hat, muss sie offen Rechenschaft ablegen.
Eine Investition in die Zukunft
Die Rechnung des Bistums schloss 2025 trotz Verbesserungen mit einem Defizit von rund 245'000 Franken. Es braucht deshalb weiterhin Sparsamkeit, aber auch die Bereitschaft der Gläubigen, gemeinsame Aufgaben mitzufinanzieren.
Die Allerheiligenkollekte ist keine Eintrittskarte zu kirchlichen Dienstleistungen und auch keine Abstimmung über die Beliebtheit der Bistumsverwaltung. Sie ist ein Zeichen der Solidarität mit der Kirche im ganzen Wallis. Niemand soll sich zu einer Gabe gedrängt fühlen. Aber jeder darf sich fragen, was ihm eine Kirche wert ist, die auch morgen noch für Menschen da sein soll. Wer am kommenden Wochenende am Besuch eines Gottesdienstes verhindert ist, kann seine Spende auch über den Einzahlungsschein, der sich in allen Pfarrblättern des Oberwallis befindet, zukommen lassen.
Die Kirche lebt nicht vom Geld allein. Doch ohne Geld kann sie ihren Auftrag nicht erfüllen.
Paul Martone