Das Bistum Sitten braucht unsere Solidarität Bistumsopfer an Allerheiligen – die finanzielle Lage bleibt angespannt
Eine schwierige finanzielle Situation
Bereits im vergangenen Jahr machten verschiedene Medien auf die angespannte finanzielle Lage des Bistums Sitten aufmerksam. Tatsächlich besteht seit Jahren ein erhebliches Ungleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben. Im Jahr 2024 musste das Bistum bei Ausgaben von rund 2,69 Millionen Franken ein Defizit von 662'299 Franken hinnehmen.
Die Jahresrechnung 2025 zeigt immerhin eine deutliche Verbesserung: Die Ausgaben konnten auf 2,53 Millionen Franken gesenkt werden, während die Einnahmen auf 2,28 Millionen Franken stiegen. Dennoch verblieb ein Fehlbetrag von 245'554 Franken. Auch für die kommenden Jahre ist deshalb weiterhin finanzielle Zurückhaltung notwendig.
Erfreulich ist hingegen die Spendenbereitschaft. Die Einnahmen aus dem Bistumsopfer und weiteren Gaben stiegen von 542'945 Franken im Jahr 2024 auf 713'527 Franken im vergangenen Jahr. Ein Zeichen dafür, dass vielen Gläubigen die Zukunft ihrer Kirche am Herzen liegt.
Warum fehlt dem Bistum das Geld?
Anders als in zahlreichen anderen Schweizer Kantonen verfügt das Bistum Sitten über keine regelmässigen Einnahmen aus einer Kirchensteuer. Die einzelnen Pfarreien werden weitgehend durch die politischen Gemeinden mitfinanziert. Diese Unterstützung kommt jedoch nicht automatisch dem Bistum zugute.
Der Kanton Wallis leistet einen jährlichen Beitrag von 550'000 Franken. Das ist eine beträchtliche Summe, für die das Bistum dankbar ist. Sie deckt allerdings nur gut einen Fünftel seiner jährlichen Ausgaben. Die übrigen Mittel müssen aus anderen Einnahmen, freiwilligen Beiträgen, Spenden und Legaten aufgebracht werden. Der Finanzbericht 2025 kann auf unserer Webseite unter bistum-sitten.ch/bistum/organisation-des-bistums/dokumente eingesehen werden.t6t
Wofür wird das Geld benötigt?
Das Bistum ist weit mehr als eine Verwaltungsstelle in Sitten. Es trägt Verantwortung für das kirchliche Leben im ganzen Wallis, über die Sprachgrenzen hinweg. Es unterstützt die Pfarreien, begleitet die Seelsorgenden, sorgt für deren Aus- und Weiterbildung und unterhält verschiedene Fachstellen für die Seelsorge.
Dazu gehören Aufgaben, die eine einzelne Pfarrei nicht allein übernehmen könnte. Auch die Begleitung von Jugendlichen und Familien, die Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen und weitere Aufgaben in der Seelsorge verlangen personelle und finanzielle Mittel.
Hinter diesen Aufgaben stehen Menschen, die ihre Arbeit kompetent und verantwortungsbewusst erfüllen und dafür auch einen gerechten Lohn erhalten sollen. Eine Kirche, die den Menschen dienen will, braucht deshalb nicht nur guten Willen und ehrenamtliches Engagement, sondern auch eine verlässliche finanzielle Grundlage.
Sparen allein genügt nicht
Angesichts der schwierigen Lage hat Bischof Jean-Marie Lovey eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die nach Möglichkeiten sucht, die Finanzierung des Bistums langfristig zu sichern. Dabei geht es sowohl um Einsparungen als auch um zusätzliche Einnahmequellen. Ziel ist es, die Finanzen wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ohne die seelsorglichen Aufgaben unnötig einzuschränken.
Die deutliche Verringerung des Defizits im vergangenen Jahr ist ein ermutigendes Zeichen. Sie darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das grundlegende Finanzierungsproblem weiterhin besteht. Die Verantwortlichen des Bistums sind gefordert, mit den vorhandenen Mitteln sorgfältig und transparent umzugehen. Ebenso braucht es aber die Solidarität der Gläubigen.
Ein Beitrag für die Zukunft unserer Kirche
Das Bistumsopfer an Allerheiligen ist deshalb mehr als eine finanzielle Unterstützung für die Bistumsverwaltung. Es ist ein konkreter Beitrag dazu, dass die Kirche im Wallis auch künftig ihren Auftrag erfüllen kann: das Evangelium verkünden, Menschen begleiten und dort helfen, wo Hilfe benötigt wird.
Nicht jeder kann gleich viel geben. Entscheidend ist die Bereitschaft, nach den eigenen Möglichkeiten mitzutragen, was der Gemeinschaft dient. Jede Spende, ob gross oder klein, ist willkommen.
Wer sich an der Kollekte beteiligt, hilft mit, dass unser Bistum nicht nur seine Rechnungen bezahlen, sondern vor allem seine seelsorgliche Sendung auch in Zukunft erfüllen kann. Bischof Jean-Marie Lovey dankt allen für ihre Spende.
Paul Martone